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Tipps zur Wahl der richtigen Laufräder

Unser österreichischer Top-Triathlet Max "Rocco" Renko zur Wahl der richtigen Laufräder.

„Mehr ist mehr!“ – das universal gültige Credo des Triathleten trifft nicht nur auf Trainingsumfänge, Anzahl der Flaschenhalter und Nachspeisenbuffets, sondern auch auf die Wahl der Wettkampflaufräder zu. Selten tun sich die Betroffenen jedoch damit einen Gefallen.

Die Wahl des idealen Laufrades im Triathlon ist schwieriger als im Radsport. Einem Zeitfahrer ist der Fahrkomfort herzlich egal, solange er schnell ist – kein Wunder, ist die Wettkampfdauer doch weit kürzer. Für einen Triathleten, besonders auf der Langdistanz, sollte der Komfort aber ein nicht zu unterschätzender Faktor bei der Auswahl sein. Besonders Scheibenräder und radial gespeichte Laufräder bieten nur sehr geringen vertikalen „Federweg“. Dabei spielt Komfort nicht nur direkt bei der Leistungserbringung eine bedeutende Rolle, sondern auch mittelbar beim abschließenden Lauf.

Viele Radhersteller sind nach Jahren der Steifigkeits-Rekordjagden von dieser Irrfahrt wieder abgekommen und versuchen mit speziellen Hinterbauten und Sattelstützen dem Fahrer größtmögliche Schonung bei gleichzeitig ausreichender Steifigkeit zu bieten. Bei Zeitfahrrädern gestaltet sich dies umso schwieriger, da aerodynamisch Rohrprofile und hohe Felgen naturgemäß eher unnachgiebig sind.

Breitere Reifen wären eine Lösung, was sich allerdings eher schlecht mit guter Aerodynamik und einem sauberen Übergang von Reifen auf Felge vereinbaren lässt.

Ein weiterer Faktor ist natürlich die passende Felgenhöhe. Wie schon öfters beschrieben sollte die Höhe der Felgen zum Windangriffswinkel passen. Damit ist der Winkel gemeint, mit dem der Wind während der Fahrt auf die Felge trifft. Je nach Querschnitt der Felge kann die Luft bis ca. 15° sauber abströmen. Dabei verhält sich dann die eigentlich symmetrische Felge wie eine asymmetrische Tragfläche, und es kommt zum bekannten Segeleffekt normal zur Windangriffsrichtung.

Jenseits der 15° kommt es zum Strömungsabriss, das Laufrad wird unkontrollierbarer zu fahren (besonders wenn der Abriss am Vorderrad auftritt). Und das ist der springende Punkt: Je höher das Laufrad, desto kleiner wird der Winkel, ehe es zum Strömungsabriss kommt. Je langsamer man fährt oder je stärker der Wind von der Seite bläst, desto größer der Windangriffswinkel und desto niedriger sollte die Felge sein.

Also gilt es vor einem Bewerb sowohl Windvorhersage als auch Streckenprofil und zu erwartende Durchschnittsgeschwindigkeit zu studieren und darauf basierend seine Entscheidung zu treffen. Viele Hobbyfahrer wären mit niedrigeren Felgen als ihren 100 mm Stelzen vermutlich schneller.

Bei meinem letzten Bewerb in Koh Samui/Thailand (4/120/30 km) hatte ich folgende Optionen: Mark1 High Modulus Tubular (38 mm, 1.200 g), Mark1 TT Tubular (58 mm, 1.570 g mit Prototyp-Vorderrad) und Squad 5.8 Carbon Clincher (58 mm, 1.500 g). Die Squad sind meine Trainingslaufräder und ersten Vollcarbonfelgen für Drahtreifen. Inzwischen haben sie gut 20.000 km bei unterschiedlichsten Verhältnissen runter und laufen immer noch perfekt. Inzwischen kann man wirklich nicht mehr pauschal behaupten, Schlauchreifenfelgen wären besser. Die Squad sind leichter als die gleich hohen Mark1 TT und bremsen genauso gut.

Die Straßen auf Koh Samui sind nicht die besten, und Drahtreifen könnte man schneller wechseln. Wie um diese Theorie zu beweisen hatte Faris, der auch am Start war, 30 min vor dem Schuss einen Patschen, den er aber ruck-zuck gewechselt hatte. Allerdings ist der Asphalt auch über weite Strecken sehr ruppig, weshalb ich mich gegen die radial eingespeichten Squad entschied.

Mark1 HM – superleicht, recht aerodynamisch, federn spürbar komfortabler ab als klassisch eingespeichte Laufräder. Sie waren meine erste Wahl beim Embrunman vergangenes Jahr. Allerdings sind dieses Mal keine 5.000 Höhenmeter, sondern lediglich derer 300 zu überwinden. Apropos „Wind“ – davon war eher wenig zu erwarten. Also kamen die TT in den Radkoffer.

Unterm Strich war es wohl keine schlechte Wahl, denn am Rad war nur Marino ein paar Sekunden schneller. Gespannt bin ich bereits auf die Mark2, die ich demnächst fahren darf. Da hat sich aerodynamisch wieder einiges getan, womit sie bei wechselndem Wind noch besser zu kontrollieren sein dürften.

Mehr Infos zu Max Renko könnt ihr in seinem Blog nachlesen.

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