Background Image TRIA Background Image Bikestart

Crocodile Trophy 2012

Interview mit Peter Fröhlich

Die Crocodile Trophy 2012 ging nach neun Etappen von Cairns im Südosten Australiens bis nach Cooktown. 933 Kilometer und über 16.500 Höhenmeter mussten durch den Regenwald und das Outback Australiens überwunden werden. Bei Temperaturen bis zu 45 Grad machten sich 145 Teilnehmer aus 15 Nationen auf den Weg, die Crocodile Trophy zu bewältigen. Peter Fröhlich und sein Team: Rams Cycling – Black Tusk nahmen die Strapazen auf sich. Als ehemaliger Crosscountry Elitefahrer waren die technischen Herausforderungen für den Maria Enzersdorfer nicht das Haupthindernis. Das letzte Mountainbikerennen lag für Peter bereits mehr als vier Jahre zurück und so war es eine Fahrt ins Ungewisse. Das Endergebnis als 18. Elitefahrer war jedoch nur nebensächlich. War es doch eine Herausforderung, die unmenschlichen Umwelteinflüsse wie extreme Hitze und Staub neun Tage lang zu überwinden. Ohne Sturz und ohne gröberen technischen Defekt stellte der Mountainbike-Crack sein Können auf dem Rad unter Beweis.

Warum tut man sich so etwas an?

Ich wollte schon seit knapp 12 Jahren an der Crocodile Trophy in Australien teilnehmen. Doch schreckte mich der überwiegend Rennradlastige Etappenverlauf mit wenig technischen Herausforderungen der letzten Jahre ab. Ich wusste, dass ich mit meinem Körperbau und meinem Können bei einem so ausgerichteten Rennen keinerlei Chance haben würde. In den letzten zwei Jahren wurde das Rennen aber immer technischer und als ich mit dem österreichischen Veranstalter Gerhard Schönbacher im letzten Winter ein Gespräch hatte, worin er mir erklärte, dass es heuer deutlich anspruchsvoller und auf Mountainbiker ausgelegt sein würde, entschloss ich mich, das Projekt Crocodile Trophy anzugehen.

Wie kann man sich die Vorbereitung vorstellen?

Man könnte sich in die Sauna setzen, den Ventilator durch einen Fön ersetzen und dann noch jemanden bitten, einen mit Sand zu bewerfen. Nur im Spaß, aber das wäre eine gute Vorbereitung. Finanziell ist die Belastung durch Flug, Aufenthalt für die Akklimatisierung, Startgeld und Betreuung doch enorm. Aber es ist jeden Euro wert, da man Erinnerungen fürs ganze Leben mitnimmt. Das Rad bekommt bei solchen Rennen eine besondere Bedeutung. Ist man doch für 4-6 Stunden vollkommen alleine im Outback und müsste mehrere Stunden zu Fuß gehen um an Hilfe zu gelangen. Gutes Material und gute Pflege sind Grundvoraussetzung um jede einzelne Etappe zu bestehen.

Wie ist der Tagesablauf?

Die Tage vergehen relativ schnell. 6 Uhr Tagwache, bis 7 Uhr Frühstück, 8 Uhr Start. Je nach dem, wie lang die Etappe ist und wie schnell man fährt ist man um 12 oder auch erst um 18 Uhr im Ziel. Dann heißt es schnell die Energiespeicher wieder aufzufüllen, duschen, sich ums Rad kümmern, Abendessen und schon liegt man wieder im Bett. Viele Einzelstarter müssen sich noch um ihr Gepäck kümmern, welches auf Sammelplätzen abgeladen wird und am nächsten Tag dort wieder abgeholt wird.

Kann man sich dabei noch auf’s Rennen konzentrieren?

Mir war es sehr wichtig, dass ich einen Betreuer mit dabei habe um mich voll auf die einzelnen Etappen konzentrieren zu können. Melanie wartete schon im Ziel mit einem kalten Getränk auf mich, richtete die vom Veranstalter gestellten Zelte her und kümmerte sich um die Wäsche und das Rad. Für mich wäre die Teilnahme ohne diese Unterstützung kaum vorstellbar gewesen.

Was nimmt man von einem solchen extremen Rennen an Erfahrungen mit?

Ich wusste im Vorhinein, dass ich mit den Schnellsten nicht mitfahren kann. Dies machte das Rennen aber um nichts weniger spannend. Man kann es sich als Mitteleuropäer kaum vorstellen, wie die Gegebenheiten im Outback Australiens sind. 6 Stunden lang durch hügeliges Gelände ohne einen schattenspendenden Baum verändern einen Menschen nachhaltig. Kameradschaft wird in solchen Extremsituationen sehr wichtig. Aber auch den eigenen Körper lernt man bei jedem Kilometer neu und besser kennen. Ich hatte auf der 2. Etappe extreme Probleme mit der Hitze. Ich hätte beinahe aufgeben müssen wenn mir nicht ein australischer Freund geholfen hätte und mir geraten hätte, eine Pause im nächsten Fluss zu machen. Diese Erfahrung werde ich nicht so schnell vergessen. Auch ist es erstaunlich, wie abgeschieden der Streckenverlauf gewählt wurde. Wirklich technisch sehr anspruchsvolle Stücke wurden irgendwo im Nirgendwo eingebaut. Es gab viele Stürze und fast jeder Fahrer kam mit Blessuren ins Ziel. Die Selbsteinschätzung und das körperliche Vermögen diese Einschätzungen auch in die Tat umzusetzen gehören zu einer der wichtigsten Lektionen, die man auf so einem Rennen macht.

Würden Sie es noch einmal machen?

Jetzt heißt es zuerst einmal etwas Abstand finden und das Erlebte zu verarbeiten. Für jeden Marathonfahrer oder Abenteurer ist es auf jeden Fall empfehlenswert einmal die Crocodile Trophy oder ein ähnliches Rennen in Angriff zu nehmen. Ich möchte meine Erfahrungen über das Rennen weitergeben und plane im Frühjahr Diavorträge über das Thema:„ Extreme Herausforderungen und Ich“ zu halten. AB einem gewissen Punkt spielt sich das Gelingen des Vorhabens nämlich hauptsächlich im Kopf ab.

Bilder und Videos gibt es auf www.elpedro.com oder unter www.crocodile-trophy.com

 

 

 

 

 

Dieser Beitrag wurde unter Mountainbike, News veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.