Background Image TRIA Background Image Bikestart

Blick nach vorne

Jodie blickt nach vorne

(c) Abu Dhabi Tri Team

Jodie spricht über ihr Leben und die kommenden olympischen Spiele in London

Ich habe mich verändert. Nachdem Helen Jenkins zu einem sensationellen Sieg im ITU Weltmeisterschaftsrennen in San Diego flog, war ich nicht neidisch. Ich war nur sehr, sehr stolz!

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich den Wettkampf liebe. Mein Leben ist gekennzeichnet von Siegen, Athletinnen, die ich geschlagen habe und dem Durst danach, ganz einfach die Beste zu sein. In der Vergangenheit war ich nervös, als ich ITU Rennen verfolgt habe – speziell im letzten Jahr nachdem meine olympischen Träume geplatzt waren. Mit Verletzungen und Ironman Rennen, die weiter oben auf meiner Agenda standen, konnte ich den olympischen Spiele nicht die Aufmerksamkeit widmen, die sie verdient haben. Dieses Jahr aber, nachdem meine Verletzungen ausgeheilt sind, mein privates Leben hervorragend läuft und ich wieder an mich und meinen Erfolg glaube, kann ich die ITU Wettkämpfe wieder als das genießen, was sie wirklich sind: nämlich Events, in denen meine Freunde zeigen, wie fantastisch sie sind...

Ich habe meine Kurzdistanzkarriere im Oktober 2010 mit einem Sieg bei meinem letzten Weltcuprennen beendet. Über 10 Jahre lang war ich im ITU Zirkus unterwegs und habe ITU Rennen bestritten. Aus diesem Grund traue ich mir zu, eine Einschätzung über die Performance dieser Mädls abzugeben.

Meiner Meinung nach war das letzte Rennen in San Diego richtungsweisend im Hinblick auf die olympischen Spiele. Die Rennen danach sind nicht mehr so aussagekräftig, da sich viele schon auf London vorbereiten und dadurch ihre Leistung beeinflusst werden kann. In London werden aber auch noch jene Frauen ein Wörtchen mitreden können, die im Augenblick ihre winterlichen Probleme noch nicht ganz überwunden haben – Ladies wie zum Beispiel Lisa Norden. Jedoch haben sie vielleicht in der stressigen Phase der Olympiavorbereitung das Vertrauen in sich selbst verloren, welches Helen, Erin und Nicola sehr wohl haben.

Helen, die noch vor kurzem unsere Welch Junior gewesen ist, ist ein Star geworden und meine persönliche Favoritin für die Goldmedaille. Meine gute Freundin Nicola Spirig begleitet sie dabei zusammen mit Emma Moffat, Laura Bennett, Andrea Hewitt und Erin Densham – das sind meine Medaillentipps.

Eigentlich sind die Mädls alle gleich. Das ist nicht auf ihre Persönlichkeit bezogen (obwohl ich sagen muss, dass es schwer wäre, solch nette und kommunikative Menschen irgendwo ein zweites Mal zu finden). Sie sind identisch, was ihre Konstanz über viele Jahre betrifft – wie sie siegen und wie sie mit Niederlagen umgehen. Wichtig, ich hätte Erin nicht in diese Gruppe gezählt, wenn ich nicht ihren zweiten unter Druck errungenen Sieg in Sydney selber gesehen hätte. Möglicherweise hat sie nun das Lehrgeld bezahlt, das nötig ist, um ihr Talent voll zu entfalten.

Die 2012’er Meute an Favoritinnen ist eine stoische, reife Gruppe. Alle stehen im Einklang mit sich selbst. Alle haben einen Lebenspartner und sind in einer soliden, positiven Beziehung. Ob sie ihr Selbstwertgefühl zu diesen erfolgsbringenden, unterstützenden Beziehungen geführt hat, oder ob die Beziehungen das nötige Selbstbewusstsein gegeben haben, um hervorragende Leistungen zu erbringen, steht zur Diskussion. Nicht diskutiert werden kann jedenfalls die Tatsache, dass sich das Selbstvertrauen dieser talentierten Athletinnen über die letzten Jahre kontinuierlich entwickelt hat, was sie alle zu einer Gruppe von kompletten Wettkämpfern gemacht hat. Ich glaube, dass alle diese Frauen zu einem ausgezeichneten Resultat bei den olympischen Spielen fähig sind.

Jüngere Champions wie Paula Findlay werden gegen diese Gruppe alle Hände voll zu tun haben. Jugend und Verletzungen sind keine gute Kombination auf dem Weg Richtung Olympia und ich befürchte, dass psychische Unausgeglichenheiten eine heftigere und längere Auswirkung auch auf einen bereits erholten Körper haben. Ebenso sind Unstimmigkeiten mit dem Trainer, turbulente Verhältnisse zu Hause und Verletzungsprobleme kein Nährboden für konstante Leistungen. Ich glaube, dass in London der natürlichen Selektion Folge geleistet werden wird. Immerhin stehen all die jungen Einzelkämpferinnen alleine da, im Gegensatz zu den“ 2 Personen Teams“.

Zugegebener Weise stimmt es mich etwas traurig, dass ich nicht vorhersagen kann, dass eine feurige, unkontrollierbare Heldin in die Geschichtsbücher des Olympischen Triathlons eingehen wird. Ich liebe „Emotional Underdogs“ (ein Kosewort, das auch für mich verwendet werden könnte) wie Loretta Harrop, die wie Phönix aus der Asche emporstiegen ist und angespornt von Schmerz und Ärger ihre Konkurrentinnen gnadenlos überwältigt hat.

Ich glaube aber nicht, dass so etwas dieses Jahr passieren wird. Bringt man jedoch Emma Snowshill in die Gleichung mit ein, könnte die Sache schon anders aussehen. Sie kann ein Feld mit der richtigen Einstellung und einem halbfitten Körper zerstören. Es wird sich zeigen, ob das australische Selektionskomitee Verständnis hat und auf ihren Champion vertrauen wird.

Ich komme zu dem Schluss, dass Logik und Rationalität zum Sieg führen werden und ich muss zugeben, dass jahrelanger Erfolg überwiegend durch Sicherheit und Konstanz zustande kommt. Ich hoffe, dass meine Vorhersagen sich erfüllen werden.

Erstens hoffe ich, dass die Medaillen zeigen werden, dass Erfolg nicht durch Härte und Zorn sondern auch durch Hingabe und Verlangen erreicht werden können. Ich bin dieser Einstellung auf jeden Fall schon viel näher gekommen, als zu der Zeit, als ich gegen diese Frauen Wettkämpfe bestritten habe. Und ich will auf keinen Fall wieder zu diesen dunklen Tagen innerer Unruhe zurückkehren, um meine Schlachten anzuheizen.

Zweitens hoffe ich, dass sich nationale Verbände über die Auswirkung von unzureichender Anerkennung im Klaren sind, darüber, welchen Einfluss sie auf das Selbstwertgefühl von junge, talentierte Athletinnen haben können und welche persönliche Konsequenzen und Traumas mangelnde Anerkennung verursachen kann. Ich hoffe, dass Verbände in Zukunft das Selbstwertgefühl junger Athletinnen stärken und nicht nur die Ergebnisse sehen. Ich habe zu viele junge Champs gesehen, die dem Sport geopfert wurden. Wenn wir ihre psychologische Entwicklung unterstützen könnten, hätten diese Mädchen eine lange Karriere vor sich.

Drittens glaube ich, dass Helen Jenkins in London Gold verdient. Sie ist eine komplette Athletin. Als Person ist noch vollkommener und in einer Welt, wo es nicht immer gerecht zugeht, würde es keine bessere Gerechtigkeit geben, als dass sich ein ausgeglichenes Paar wie Helen und Marc Gold bei Olympischen Spielen holen.

Dieser Beitrag wurde unter News, Triathlon veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.